LIT-Revier: Literaturverlage im Revier

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Wir: der Arka Verlag. Ulrich Straeter,

der Asso Verlag. Ingrid Gerlach

und der Universitätsverlag Brockmeyer

möchten gemeinsam das zarte Pflänzchen Literatur im Ruhrgebiet stärken!

Geplant sind gemeinsame Lesungen, gemeinsame Auftritte auf Buchmessen, gemeinsame Werbe- und Presseaktionen. Ein erster Schritt soll dieser Blog sein, in dem wir uns vorstellen und auf unsere Aktivitäten hinweisen wollen.

2 Gedanken zu „LIT-Revier: Literaturverlage im Revier

  1. Als Autor kann ich diese Idee der Zusammenarbeit nur voll unterstützen. Eigentlich wird es höchste Zeit, dass sich die Ruhrgebietsverlage und -autoren aus dem Dornröschenschlaf lösen. Es kann doch nicht sein, dass andere Gegenden wie die Eifel, der Taunus, Berlin oder Bayern auf dem Buchmarkt viel presenter sind als das Ruhrgebiet. Dazu muss ich allerdings anmerken, dass man in anderen Teilen Deutschlands und auch in Österreich viel mehr die eigenen Künstler und Schriftsteller schätzt als hier, weil man erkannt hat, dass sie gute Werbeträger für die Region sind und die jeweilige Gegend mit ihren Vorzügen nachhaltig bekannt machen. Hier bei uns werden Bücher der Ruhrgebietsautoren in Buchhandlungen schamhaft in irgendeine Ecke versteckt, so dass man den Eindruck bekommen kann, dass man sich für die eigenen Autoren und ihrer Werke schämt. Das Ruhrgebiet will was für sein Image tun, presentiert aber vor allem Werke (Kunst und Literatur) aus anderen Gegenden Deutschlands und der Welt. Wir waren und sind literarisches Outback und bleiben es wohl auch, solange sich das nicht ändert. Vielleicht hat man uns in der Schulzeit zu oft eingetrichtert, dass unsere Ruhrgebietssprache schlecht und primitiv ist. Unsere Sprache gilt ja auch nicht als Dialekt. Vielleicht schämen wir uns latent zu viel, aus dem Kohlenpott zu sein. Was kann schon von hier Gutes kommen? Dabei gibt es kaum eine Gegend, die so vielfältig ist wie das Revier und seine Autoren inspiriert. Okay, der Zusammenschluss von drei Verlagen kann da nicht viel ändern. Aber es ist wenigstens ein Versuch, mit Ruhrgebietsliteratur stärker aufzutreten. Und dafür will ich gerne auch meinen Beitrag leisten.

  2. Ende März ist der Gelsenkirchener Autor Karl Taefler (Werkkreis Lit. der Arbeitswelt, Literarische Werkstatt Marl u.a.) gestorben. Er war Kollege von Richard Limpert, Horst Hensel, Heinrich Peuckmann, Rainer W. Campmann, Josef Krug, Ulrich Straeter u.a. (Werkstatt Dortmund im WK).
    Er hat zwar nicht im ARKA Verlag veröffentlicht, hat aber beraten und lektoriert und Vorworte für einige Bücher geschrieben, war also quasi externer Mitarbeiter.

    Hier ein kleiner Nachruf vom ARKA Verlag (Mitglied LitRevier):

    Wo wir das Bleiben verteidigen …
    Gedanken zum Lehrer und Schriftsteller Karl Taefler aus Gelsenkirchen

    Wo wir das Bleiben verteidigen. So hieß einer seiner Buchtitel, der für sein ganzes Leben typisch war, man könnte die Zeile umändern in: Wo wir das Leben verteidigen!

    Lyrik war das, auf den Punkt gebrachte politische Lyrik. Diese Art Literatur hatte ihre große Zeit in den siebziger und achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, ausgelöst und durchgeführt u. a. durch den Werkkreis Literatur der Arbeitswelt. Dort, in der Dortmunder Werkstatt, lernte ich Karl Taefler kennen. Zusammen mit seinem Kollegen Richard Limpert war er bereits aktiv in der Literaturwerkstatt die insel in Marl als auch in der Gruppe Gelsenkirchener Autoren, deren langjähriger Vorsitzender er war. Wo dieses literarische „Duo infernal“ auftauchte, blieb kein Auge trocken – und ihre Literatur kam gut an. Wir Neulinge in der Dortmunder Werkstatt konnten von den alten Hasen viel lernen, nicht nur das Literaturmachen. Gespräche und hitzige Diskussionen nach den Arbeitsitzungen in der Gaststätte „Alte Zeit“ gehörten wie selbstverständlich zu den Lernprozessen dazu.

    Bei den großen und auch bei vielen kleineren Friedensdemonstrationen der achtziger Jahre war Karl Taefler ebenfalls regelmäßig aktiv dabei. Ich kann mich erinnern, wie er bei einer Demo auf der Kettwiger Straße (der Einkaufsmeile) in Essen auf einem Podium stand und ohne Mikrofon, frei redend, alles übertönte. Er machte nie einen Hehl aus seiner Mitgliedschaft in der DKP, war aber als politisch aktiver Mensch und als Gesprächspartner immer offen, nie fanatisch und einseitig. Seine Bemühungen, linke Splittergruppen miteinander zu versöhnen, gestalteten sich schwierig, obwohl der gelernte Pädagoge all seine berufliche Kunst dabei aufwendete. Als DKP-Mitglied traf ihn das Berufsverbot, wogegen er erfolgreich angehen konnte. Bis zu seiner Pension als Lehrer tätig, war er natürlich Mitglied in der Gewerkschaft GEW und auch dort aktiv.
    Für mich persönlich stand er mehrmals als knallharter Lektor für meine Manuskripte zur Verfügung. Die freien Rückseiten der Manuskriptblätter kritzelte er mit seiner kleinen Handschrift mit Kritik und Vorschlägen voll. Bei anschließenden langen Telefongesprächen wurden wir beide laut, was aber regelmäßig mit Verabredungen zu „einem Bier“ endete. Auch ließ er es sich nicht nehmen, das eine oder andere sachkundige Vorwort zu meinen Büchern zu schreiben.
    Zuletzt arbeitete er an einem Riesen-Epos mit dem Arbeitstitel: Die Dunkelkammer. Es ging am Beispiel Afrikas um die Problematik des kapitalistischen Systems. Immer waren seine Texte von der Maxime durchzogen: Wo wir das Bleiben verteidigen. Wir, das waren für ihn die Völker der Welt.

    Doch war die Literatur nicht sein einziger Schwerpunkt: er war Lehrer für Mathematik und Geschichte – und die Mathematik kam manchmal an spannenden gemeinsamen Wochenenden im Sauerland zum Vorschein: seitenweise produzierte Karl Taefler mathematische Formeln, Axiome und sonstige Annahmen – ich verstand kein Wort bzw. keine der Beweisführungen. Er lächelte. Macht auch Spaß, sagte er. Dann prosteten wir uns mit einem herben Iserlohner Pilsener zu. Zusammen mit unseren Frauen gingen wir ab und zu ins Restaurant zum Essen, das gefiel ihm sehr. In letzter Zeit schon von Krankheit gezeichnet, nur noch mit Mühe gehend und formulierend, taute er beim Begrüßungs-Schnäpschen auf, wurde rege und lebendig und war dann fast „der Alte“. Gespräche mit ihm waren immer spannend, lehrreich und angenehm. Ich hoffe, er sah es umgekehrt genau so.
    Der Freund und Lehrer, auch im übertragenen Sinn, wird mir fehlen. Karl Taefler starb am 21. März 2014 im Alter von fast 82 Jahren.

    Ulrich Straeter

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